Was man aus einem fehlgeschlagenen Crowdfunding lernen kann

Von der Idee zum Crowdfunding

Die wichtigste Lektion zuerst: Crowdfunding ist schwieriger als gedacht. Wir haben ein Start-up gegründet. Die Idee ist simpel. Wir wollen eine Plattform entwickeln, die es Direktanbietern insbesondere Landwirten möglich macht ihre lokalen Produkte zu bewerben und auch online zu verkaufen. Eine Mischung aus kostenloser Suchmaschine für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Verkaufsplattform, die sich über eine geringe Provision bei Online-Verkäufen finanziert.

Wir haben die Idee entwickelt und in unseren Köpfen war sie schon komplett realisiert und funktionierte super. Lediglich die Finanzierung fehlte und wir gingen davon aus, dass wir mit Hilfe eines Crowdfunding-Projekts diese auftreiben und gleichzeitig Anbieter und Kunden für unsere Idee begeistern können.

Vom Crowdfunding zurück zum Anfang

Leider blieb der Wunschtraum einen Selbstläufer zu haben Theorie und wir wussten schnell, dass wir die Summe so niemals aufbringen werden.

Die Tage habe ich eine komplette Terrasse gestrichen. Nichts, was ich alltäglich mache, geschweige denn etwas, dass ich jemals zuvor gemacht hätte. Ich habe an einer Ecke angefangen die erste der vielen kleinen Holzfliesen zu streichen und musste mir überlegen und Annahmen treffen, wie ich dieses Problem insgesamt lösen könnte. Bei der ersten Fliese war es zu viel Farbe, bei der zweiten zu wenig, bei der dritten hatte ich es dann mit der Farbe raus, aber ich konnte noch nicht so richtig mit dem Pinsel umgehen. Ein paar Holzfliesen später lief es, doch dann gab es die nächste Herausforderung. Nicht jede Holzfliese war gleich und nicht jede war gleichmäßig verwittert. Mit anderen Worten: Ich musste flexibel sein und mein Vorgehen immer wieder neu überdenken.

Bei unserem Crowdfunding war es ähnlich. Wir haben Annahmen getroffen, wie man unser Projekt in der Gesamtheit am besten umsetzen könnte. Alles beruhte auf Vermutungen, die wir unreflektiert für bare Münze genommen haben. Schließlich ist es ja unser Projekt. Aber was, wenn ein Start-up sich genauso verhält, wie die einzelnen Holzfliesen einer Terrasse? Was, wenn man mal mehr und mal weniger von dem einen oder dem anderen braucht?

Während des Crowdfundings wurden wir mit vielen Fragen konfrontiert, bei denen wir dachten, dass die Antworten allen klar sind. Waren sie aber nicht. Dann hatten wir neue Ideen und uns wurden auch viele gute Einfälle zugetragen. Doch schnell mussten wir feststellen, dass wir zwar Zustimmung für das Konzept bekommen haben, aber in vielen Detailfragen herrschten Unklarheit und Kommunikationsschwierigkeiten. Wir hatten einfach zu viele Annahmen getroffen und für unsere Kunden und Anbieter entschieden, was das Beste für sie sein müsste. Verstrickt in unseren unbestätigten Aussagen, können wir dankbar sein, dass die Crowdfunding-Summe von 20.000 Euro nicht zustande gekommen ist. Hätten wir das Geld bekommen, dann wären wir voller Euphorie und falscher Annahmen in die Projektentwicklung gegangen und es wäre ein nutzloses Ergebnis rausgekommen.

Aber wollten wir nicht immer die Welt ein klein wenig besser machen? Kann man dieses Ziel erreichen, wenn man anderen seine Ideen und Annahmen überstülpt? Ich meine, wie würde die Terrasse jetzt aussehen, wenn ich jede einzelne Holzfliese bis zum Schluss stur gestrichen hätte wie die erste?

Ein neuer Start für das Start-Up

Wir haben schon während des Crowdfundings begonnen radikal umzudenken, uns alternative Finanzierungsmöglichkeiten gesichert und begonnen einen anderen Blickwinkel einzunehmen, nämlich den unserer vermuteten Zielgruppe. Auf jeden Fall wollen wir ab sofort offen sein für plötzliche Eventualitäten und flexibel reagieren und korrigieren können.

Dafür haben wir das komplette Projekt neu gedacht, auf das Wesentliche verkleinert, und wollen fortan jede getroffene Annahme schnellstmöglich überprüfen und notwendige Kurskorrekturen vornehmen. Ganz im Sinne der Prinzipien des Lean Managements. Wir haben uns von dem großen Ganzen gelöst und gehen es jetzt in kleinstmöglichen Größen an.

Wir suchen deshalb nach einer überschaubaren Anzahl an Anbietern, die bereit sind mit uns gemeinsam diesen neuen Weg zu gehen, um zügig ein sogenanntes MVP (Minimum Viable Product) auf den Markt zu bringen. Eine Produkt, das gerade einmal so viele Funktionen enthält, dass man es mit ruhigem Gewissen auf den Kunden loslassen kann. Wir wollen zusammen lernen und miteinander etwas schaffen. Genau wie bei der Terrasse, die ich früher oder später auch wieder streichen muss. Nur beim nächsten Mal kann ich auf die Erfahrungen vom letzten Anstrich zurückgreifen.

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